Stimmung und Arbeit hängen eng zusammen: Der Arbeitsalltag kann stabilisieren, Sinn geben und soziale Verbindung schaffen, aber auch belasten, erschöpfen oder gereizt machen. Entscheidend ist selten ein einzelner Faktor, sondern das Zusammenspiel aus Arbeitsmenge, Handlungsspielraum, Arbeitsklima, Pausen, Anerkennung, Konflikten, Erholung und persönlicher Lebenssituation. Wer seine Stimmung im Arbeitskontext regelmäßig beobachtet, kann Muster früher erkennen und gezielter reagieren.
Was bedeutet „Stimmung und Arbeit“?
Mit „Stimmung und Arbeit“ ist gemeint, wie berufliche Anforderungen, Arbeitsbedingungen und soziale Erfahrungen im Job Ihre innere Grundlage beeinflussen. Eine Stimmung ist meist weniger klar abgrenzbar als ein einzelnes Gefühl. Sie kann sich über Stunden oder Tage ziehen und den Blick auf Aufgaben, Menschen und Entscheidungen färben.
Arbeit kann dabei eine Ressource sein: Sie gibt Struktur, Kontakt, Einkommen, Kompetenzgefühl und manchmal auch Sinn. Gleichzeitig kann Arbeit zur Belastung werden, wenn dauerhaft zu viel Druck entsteht, Pausen fehlen, Konflikte ungelöst bleiben oder Sie kaum Einfluss auf Ihre Aufgaben haben.
Diese Seite ist für Sie relevant, wenn Sie sich fragen:
- Warum bin ich nach der Arbeit so gereizt, leer oder erschöpft?
- Warum kippt meine Stimmung im Job immer wieder?
- Wie erkenne ich, ob Arbeit meine Stimmung belastet?
- Was kann ich im Arbeitsalltag konkret beobachten und verändern?
- Wann ist beruflicher Stress noch normal und wann sollte ich mir Unterstützung holen?
Der Artikel ersetzt keine medizinische, psychotherapeutische oder arbeitsrechtliche Beratung. Er hilft Ihnen aber, Ihre Stimmung im Arbeitskontext ruhiger einzuordnen und erste konkrete Schritte zu finden.
Warum Arbeit die Stimmung so stark beeinflussen kann
Arbeit nimmt bei vielen Menschen einen großen Teil des Tages ein. Sie beeinflusst Tagesrhythmus, Schlaf, Bewegung, soziale Kontakte, Selbstwert, finanzielle Sicherheit und Erholung. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass sich berufliche Erfahrungen auf die Stimmung auswirken.
Manche Belastungen sind offensichtlich: ein Streit im Team, ein unangenehmes Feedbackgespräch, ein Fehler, Zeitdruck oder eine unsichere berufliche Situation. Andere wirken schleichender: ständige Unterbrechungen, unklare Prioritäten, zu wenig Anerkennung, zu wenig Pausen oder das Gefühl, nie wirklich fertig zu werden.
Wichtig ist: Eine schlechte Stimmung im Zusammenhang mit Arbeit bedeutet nicht automatisch, dass Sie „zu empfindlich“ sind oder dass Ihr Job grundsätzlich falsch ist. Sie kann ein Signal sein, dass Ihr inneres System gerade mehr Belastung verarbeitet, als es gut regulieren kann.
Stimmung und Arbeit: typische Einflussfaktoren im Überblick
Arbeitsbedingte Stimmungsschwankungen entstehen häufig aus mehreren kleinen Faktoren. Die folgende Tabelle hilft, typische Auslöser einzuordnen.
| Arbeitsfaktor | Mögliche Wirkung auf die Stimmung | Was Sie beobachten können |
|---|---|---|
| Hohe Arbeitsmenge und Zeitdruck | innere Unruhe, Gereiztheit, Überforderung, Fehlerangst | Wann steigt der Druck? Welche Aufgaben bleiben regelmäßig liegen? |
| Wenig Handlungsspielraum | Frust, Ohnmacht, Motivationsverlust | Wo können Sie entscheiden, wo nicht? Was fühlt sich fremdbestimmt an? |
| Unklare Rollen oder Prioritäten | Unsicherheit, Grübeln, Anspannung | Welche Erwartungen sind unklar? Wer entscheidet über Prioritäten? |
| Konflikte im Team | Angst, Wut, Rückzug, schlechte Laune nach Feierabend | Welche Kontakte kosten besonders viel Energie? |
| Fehlende Anerkennung | Enttäuschung, Demotivation, Selbstzweifel | Wann fühlen Sie sich gesehen? Wann nicht? |
| Ständige Unterbrechungen | Konzentrationsverlust, innere Hektik, Erschöpfung | Wie oft werden Sie aus Aufgaben herausgerissen? |
| Entgrenzung durch Homeoffice oder Erreichbarkeit | Unruhe, fehlender Abschluss, Schlafprobleme | Wann endet Arbeit innerlich wirklich? |
| Zu wenig Erholung | Müdigkeit, Reizbarkeit, emotionale Empfindlichkeit | Wie wirken Pausen, Schlaf und Wochenenden auf Ihre Stimmung? |
Wie sich Arbeitsbelastung in der Stimmung zeigen kann
Belastung im Job zeigt sich nicht immer als klarer Gedanke wie „Meine Arbeit stresst mich“. Häufig wird sie zuerst körperlich, emotional oder im Verhalten spürbar.
Emotionale Anzeichen
- Sie sind schneller gereizt als sonst.
- Sie fühlen sich nach Meetings leer, traurig oder angespannt.
- Sie reagieren empfindlicher auf Kritik.
- Sie haben schon morgens schlechte Stimmung, wenn Sie an Arbeit denken.
- Sie fühlen sich innerlich distanziert oder gleichgültig gegenüber Aufgaben.
Körperliche und kognitive Anzeichen
- Verspannungen, Kopfdruck, flacher Atem oder Unruhe.
- Konzentrationsprobleme und häufiges Abschweifen.
- Schlafprobleme, besonders Grübeln vor dem Einschlafen.
- Müdigkeit trotz scheinbar ausreichender Schlafdauer.
- Das Gefühl, einfache Entscheidungen seien plötzlich schwer.
Verhaltenssignale
- Sie schieben Aufgaben stärker auf als sonst.
- Sie ziehen sich aus Gesprächen zurück.
- Sie arbeiten länger, obwohl die Qualität sinkt.
- Sie kompensieren Anspannung durch Scrollen, Essen, Alkohol oder ständige Ablenkung.
- Sie können nach Feierabend schlecht abschalten.
Einzelne dieser Zeichen sind noch kein Beweis für ein ernstes Problem. Wenn sie jedoch häufig auftreten, stärker werden oder Ihren Alltag deutlich beeinträchtigen, lohnt sich eine genauere Einordnung.
Konkrete Alltagssituationen: Wenn die Arbeit die Stimmung kippen lässt
1. Sie kommen nach Hause und sind sofort gereizt
Nach einem anspruchsvollen Arbeitstag kann das Nervensystem noch aktiviert sein. Dann reicht ein kleiner Reiz zu Hause, um gereizt zu reagieren: eine Frage, ein Geräusch, eine Bitte, eine unerledigte Aufgabe. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Person zu Hause das Problem ist. Häufig fehlt ein Übergang zwischen Arbeitsmodus und Privatmodus.
Möglicher erster Schritt: Planen Sie einen kurzen Puffer ein. Das kann ein Spaziergang um den Block, zehn Minuten Stille, Musik ohne Nachrichten oder ein kurzer Eintrag im Stimmungstagebuch sein: „Was nehme ich von der Arbeit mit? Was lasse ich jetzt bewusst dort?“
2. Sie sind schon morgens angespannt
Wenn die Stimmung bereits vor Arbeitsbeginn kippt, kann das auf erwarteten Druck hinweisen: ein schwieriges Gespräch, ein voller Kalender, unklare Aufgaben oder das Gefühl, keine Kontrolle zu haben. Manchmal reicht der Blick auf E-Mails oder den Kalender, um innere Alarmbereitschaft auszulösen.
Möglicher erster Schritt: Fragen Sie sich nicht nur: „Warum bin ich so angespannt?“, sondern konkreter: „Welche Situation erwartet mein Körper heute?“ Danach kann eine kleine Priorisierung helfen: Was ist heute wirklich wichtig? Was kann warten? Wo brauche ich Klärung?
3. Sie fühlen sich im Homeoffice leer oder isoliert
Homeoffice kann entlasten, weil Wege wegfallen und mehr Ruhe entsteht. Es kann aber auch Stimmung belasten, wenn soziale Rückmeldung, Bewegung, klare Grenzen und kleine Übergänge fehlen. Manche Menschen funktionieren im Homeoffice gut, fühlen sich aber abends trotzdem leer.
Möglicher erster Schritt: Beobachten Sie, ob Ihre Stimmung an Homeoffice-Tagen anders ist als an Bürotagen. Hilfreich können feste Start- und Endrituale, kurze echte Pausen, Tageslicht, Bewegung und gezielte Kontaktmomente sein.
4. Sie fühlen sich nach Meetings erschöpft
Meetings kosten nicht nur Zeit, sondern auch emotionale und kognitive Energie. Besonders belastend sind unklare Ziele, verdeckte Konflikte, ständige Bewertung, fehlende Entscheidungskraft oder das Gefühl, nicht gehört zu werden.
Möglicher erster Schritt: Notieren Sie nach einem belastenden Meeting drei Punkte: Was war sachlich anstrengend? Was war emotional anstrengend? Was brauche ich vor dem nächsten Termin: Klarheit, Vorbereitung, Grenze, Rücksprache oder Pause?
5. Sie sind nach Kritik lange aus dem Gleichgewicht
Kritik kann die Stimmung stark beeinflussen, besonders wenn sie überraschend, ungerecht, unspezifisch oder vor anderen geäußert wird. Sie kann Scham, Ärger, Angst oder Selbstzweifel auslösen. Nicht jede starke Reaktion bedeutet, dass die Kritik falsch war. Aber sie zeigt, dass etwas innerlich berührt wurde.
Möglicher erster Schritt: Trennen Sie die Ebenen: Was war die sachliche Information? Was war der Ton? Was ist meine Interpretation? Was brauche ich, um wieder handlungsfähig zu werden?
Was Sie im Arbeitsalltag konkret tun können
Nicht jede berufliche Belastung lässt sich sofort lösen. Trotzdem gibt es kleine Schritte, die helfen können, wieder mehr Orientierung zu bekommen. Ziel ist nicht, jede Stimmung zu kontrollieren. Ziel ist, Signale früher wahrzunehmen und klüger mit ihnen umzugehen.
1. Stimmung benennen statt nur funktionieren
Viele Menschen merken erst spät, wie angespannt sie sind, weil sie im Arbeitsmodus lange funktionieren. Ein kurzer Check-in kann helfen:
- Welche Stimmung ist gerade da: gereizt, ruhig, überfordert, müde, angespannt, traurig, motiviert?
- Wie stark ist sie auf einer Skala von 0 bis 10?
- Was war unmittelbar vorher?
- Was brauche ich jetzt: Pause, Klarheit, Bewegung, Gespräch, Grenze oder Ruhe?
2. Belastung und Auslöser trennen
Ein Auslöser ist nicht immer die eigentliche Ursache. Eine knappe E-Mail kann die Stimmung kippen, weil darunter bereits Müdigkeit, Druck oder Unsicherheit liegen. Fragen Sie deshalb: „Warum trifft mich das gerade so stark?“ statt nur: „Warum ist diese E-Mail so schlimm?“
3. Kleine Übergänge einbauen
Stimmung braucht Übergänge. Besonders bei Schreibtischarbeit, Homeoffice oder hoher digitaler Erreichbarkeit verschwimmen Arbeitsphasen schnell. Kleine Übergänge können sein:
- vor Arbeitsbeginn drei Minuten Tagesplanung,
- nach schwierigen Gesprächen kurz aufstehen,
- zwischen zwei Aufgaben Wasser holen oder lüften,
- nach Feierabend den Arbeitsplatz bewusst schließen,
- den letzten Arbeitssatz notieren: „Morgen beginne ich mit …“
4. Prioritäten sichtbar machen
Unklare Prioritäten belasten die Stimmung, weil der Kopf versucht, alles gleichzeitig wichtig zu nehmen. Eine einfache Struktur kann entlasten:
- Was muss heute wirklich erledigt werden?
- Was ist wichtig, aber nicht heute entscheidend?
- Was ist fremde Erwartung, aber nicht geklärt?
- Wo brauche ich eine Entscheidung von außen?
5. Unterstützung konkret anfragen
„Ich brauche Hilfe“ ist oft schwer auszusprechen. Konkreter ist es leichter:
- „Können wir die Prioritäten für diese Woche klären?“
- „Welche Aufgabe hat Vorrang, wenn beides nicht gleichzeitig möglich ist?“
- „Ich brauche 20 Minuten Rücksprache, damit ich nicht in die falsche Richtung arbeite.“
- „Nach dem Konflikt gestern möchte ich kurz klären, wie wir weiter zusammenarbeiten.“
Solche Sätze lösen nicht jedes Problem, aber sie machen Belastung sichtbarer und handhabbarer.
Was eher nicht hilft
Manche Strategien entlasten kurzfristig, verschärfen aber langfristig die Belastung. Dazu gehören:
- dauerhaft über Pausen hinwegzuarbeiten,
- jede schlechte Stimmung sofort als persönliches Versagen zu deuten,
- Konflikte immer zu vermeiden, obwohl sie wiederkehren,
- nach Feierabend ständig E-Mails zu prüfen,
- Warnzeichen nur mit Disziplin beantworten zu wollen,
- sich mit anderen zu vergleichen, die scheinbar alles besser schaffen,
- Entlastung ausschließlich durch Konsum, Alkohol, Scrollen oder Rückzug zu suchen.
Auch der Satz „Denken Sie einfach positiv“ greift zu kurz. Berufliche Belastung braucht keine beschönigende Haltung, sondern eine realistische Einordnung: Was ist beeinflussbar? Was ist nicht beeinflussbar? Wo brauche ich Grenzen, Klärung oder Unterstützung?
Arbeitsstimmung, Gefühl oder Erschöpfung: eine hilfreiche Abgrenzung
| Begriff | Woran Sie es erkennen können | Beispiel im Arbeitskontext |
|---|---|---|
| Gefühl | meist konkreter, oft mit erkennbarem Auslöser | Ärger nach einer unfairen Bemerkung |
| Stimmung | breiter, länger anhaltend, färbt Wahrnehmung und Verhalten | den ganzen Vormittag gereizt und empfindlich |
| Stressreaktion | körperliche und mentale Aktivierung durch wahrgenommene Anforderung | Herzklopfen vor einer Präsentation |
| Erschöpfung | geringe Energie, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme | nach mehreren intensiven Wochen kaum noch Reserven |
| Anhaltende Belastung | Stimmung, Schlaf, Alltag oder Beziehungen sind deutlich beeinträchtigt | ständige Niedergeschlagenheit, Rückzug, Angst vor Arbeit |
Diese Abgrenzung kann helfen, genauer zu beobachten. Sie ersetzt keine Diagnose. Wenn Sie über längere Zeit stark belastet sind, sollten Sie professionelle Unterstützung in Betracht ziehen.
Fragen zur Selbstreflexion
Selbstreflexion bedeutet nicht, sich selbst die Schuld zu geben. Sie dient dazu, aus einem diffusen „Ich kann nicht mehr“ eine klarere Beobachtung zu machen. Die folgenden Fragen eignen sich für einen kurzen Eintrag im Stimmungstagebuch.
- Wie ist meine Stimmung vor, während und nach der Arbeit?
- Welche Situationen im Job verändern meine Stimmung besonders stark?
- Welche Menschen oder Kommunikationsformen kosten mich auffällig viel Energie?
- Wann fühle ich mich kompetent, wirksam oder gesehen?
- Wann fühle ich mich fremdbestimmt, unsicher oder übergangen?
- Welche Aufgaben geben mir Energie, welche ziehen sie ab?
- Welche körperlichen Signale treten an Arbeitstagen häufiger auf?
- Was hilft mir wirklich beim Abschalten?
- Welche Grenze würde meine Stimmung spürbar entlasten?
- Welche Unterstützung müsste ich konkret ansprechen?
Was Sie im Stimmungskalender beobachten können
Ein Stimmungskalender kann helfen, Arbeit nicht nur als „gut“ oder „schlecht“ zu bewerten, sondern konkrete Muster zu erkennen. Das ist besonders hilfreich, wenn Sie häufig denken: „Ich weiß nicht, warum meine Stimmung so kippt.“
Sie können täglich oder an ausgewählten Arbeitstagen festhalten:
- Stimmung vor Arbeitsbeginn: ruhig, angespannt, müde, motiviert, gereizt?
- Stimmung nach Arbeitsende: erleichtert, erschöpft, leer, zufrieden, unruhig?
- Intensität: Wie stark war die Belastung von 0 bis 10?
- Auslöser: Meeting, E-Mail, Konflikt, Zeitdruck, Unterbrechung, Erfolgserlebnis?
- Körperzeichen: Kopf, Magen, Schultern, Atem, Herzklopfen, Müdigkeit?
- Gedanken: Welche inneren Sätze tauchten auf?
- Ressourcen: Was hat geholfen: Pause, Gespräch, Bewegung, klare Priorität?
- Nachwirkung: Wie lange hat die Arbeit innerlich nachgehallt?
| Eintrag im Stimmungskalender | Beispiel | Warum es hilfreich ist |
|---|---|---|
| Stimmung vor der Arbeit | „angespannt, 6 von 10“ | zeigt, ob Belastung schon vor Arbeitsbeginn beginnt |
| Auslöser | „unklare Prioritäten, drei parallele Anfragen“ | macht konkrete Arbeitsfaktoren sichtbar |
| Körperzeichen | „Kiefer angespannt, flacher Atem“ | hilft, frühe Warnsignale zu erkennen |
| Hilfeschritt | „Prioritäten mit Leitung geklärt“ | zeigt, was tatsächlich entlastet |
| Stimmung nach Feierabend | „müde, aber ruhiger“ | macht Nachwirkungen und Erholung sichtbar |
Der wichtigste Effekt entsteht durch Wiederholung. Ein einzelner Eintrag erklärt selten alles. Mehrere Einträge über Tage oder Wochen können jedoch zeigen, ob Ihre Stimmung stärker mit Arbeitsmenge, sozialen Situationen, Schlaf, Pausen, bestimmten Wochentagen oder fehlender Erholung zusammenhängt.
Arbeit und Stimmung regelmäßig beobachten
Wenn Sie Ihre Stimmung im Arbeitskontext besser verstehen möchten, beginnen Sie niedrigschwellig: Notieren Sie an fünf Arbeitstagen jeweils nur drei Dinge: Stimmung vor der Arbeit, stärkster Auslöser, Stimmung nach Feierabend. Daraus kann mit der Zeit ein persönliches Muster entstehen.
Nutzen Sie den Stimmungskalender als ruhigen Check-in: nicht zur Selbstoptimierung, sondern zur Selbstwahrnehmung. Je konkreter Sie Stimmung, Auslöser, Körperzeichen und hilfreiche Schritte festhalten, desto leichter wird es, Belastung ernst zu nehmen und passende nächste Schritte zu wählen.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Berufliche Belastung muss nicht allein getragen werden. Professionelle Unterstützung ist besonders sinnvoll, wenn Ihre Stimmung über längere Zeit deutlich gedrückt, ängstlich, gereizt oder hoffnungslos bleibt, wenn Sie kaum noch abschalten können oder wenn Arbeit, Beziehungen, Schlaf und Alltag spürbar beeinträchtigt sind.
Suchen Sie Unterstützung, wenn Sie zum Beispiel bemerken:
- Sie haben über Wochen kaum Erholung.
- Sie fühlen sich vor Arbeitstagen stark ängstlich oder verzweifelt.
- Sie ziehen sich zunehmend zurück.
- Sie verlieren Interesse an Dingen, die Ihnen sonst wichtig waren.
- Sie schlafen dauerhaft schlecht oder sind ständig erschöpft.
- Sie haben das Gefühl, nicht mehr sicher zu sein.
- Sie denken daran, sich selbst etwas anzutun.
Geeignete Anlaufstellen können je nach Situation Hausärztinnen und Hausärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Betriebsärztinnen und Betriebsärzte, eine psychosoziale Beratungsstelle, die betriebliche Interessenvertretung oder der ärztliche Bereitschaftsdienst sein. Bei akuter Gefahr oder Selbstgefährdung wählen Sie bitte sofort den Notruf 112 oder wenden Sie sich an die nächste psychiatrische Klinik. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr erreichbar unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116123. Für ärztliche Hilfe und Terminvermittlung kann in Deutschland auch die 116117 eine Anlaufstelle sein.
Kurze Zusammenfassung
- Arbeit kann Stimmung stabilisieren, aber auch belasten.
- Häufige Einflussfaktoren sind Arbeitsmenge, Kontrolle, Pausen, soziale Beziehungen, Anerkennung, Konflikte und Erholung.
- Schlechte Stimmung nach der Arbeit ist ein Signal, kein persönliches Versagen.
- Ein Stimmungskalender kann helfen, Muster zwischen Arbeit, Körper, Gedanken und Stimmung zu erkennen.
- Bei anhaltender Belastung, starker Erschöpfung, Angst, Hoffnungslosigkeit oder Selbstgefährdung ist professionelle Hilfe wichtig.
FAQ: Stimmung und Arbeit
Wie beeinflusst Arbeit die Stimmung?
Arbeit beeinflusst die Stimmung über viele Wege: Aufgabenmenge, Zeitdruck, Handlungsspielraum, soziale Beziehungen, Anerkennung, Konflikte, Sicherheit, Pausen und Erholung. Arbeit kann stabilisieren und Sinn geben, aber bei ungünstigen Bedingungen auch zu Gereiztheit, Erschöpfung, innerer Unruhe oder Niedergeschlagenheit beitragen.
Warum bin ich nach der Arbeit immer schlecht gelaunt?
Schlechte Laune nach der Arbeit kann entstehen, wenn Ihr Körper und Kopf noch im Belastungsmodus sind. Häufige Gründe sind Zeitdruck, Konflikte, viele Unterbrechungen, fehlende Pausen, emotionale Anstrengung oder zu wenig Übergang zwischen Arbeit und Privatleben. Ein kurzer Feierabend-Puffer und ein Stimmungstagebuch können helfen, Muster zu erkennen.
Ist mein Job schuld an meiner schlechten Stimmung?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Arbeit kann ein wichtiger Einflussfaktor sein, aber Stimmung entsteht meist aus mehreren Bereichen: Schlaf, Gesundheit, Beziehungen, private Sorgen, Erholung, Bewegung und Arbeitsbedingungen. Hilfreich ist die Frage: Wird meine Stimmung an bestimmten Arbeitstagen, nach bestimmten Aufgaben oder in bestimmten Teamsituationen zuverlässig schlechter?
Was kann ich tun, wenn mich Arbeit emotional belastet?
Beginnen Sie mit konkreter Beobachtung: Welche Situationen belasten Sie, wie stark, wie lange und mit welchen Körperzeichen? Danach können kleine Schritte helfen: Prioritäten klären, Pausen schützen, Unterstützung konkret anfragen, schwierige Gespräche vorbereiten und klare Übergänge in den Feierabend schaffen. Bei anhaltender oder starker Belastung ist professionelle Unterstützung sinnvoll.
Kann ein Stimmungskalender bei Arbeitsstress helfen?
Ja, ein Stimmungskalender kann helfen, Zusammenhänge sichtbar zu machen. Sie können festhalten, wie Ihre Stimmung vor und nach der Arbeit ist, welche Auslöser es gab, welche Körperzeichen auftraten und was geholfen hat. So erkennen Sie Muster, statt nur einzelne schlechte Tage zu bewerten.
Wann sollte ich wegen Arbeitsbelastung Hilfe suchen?
Hilfe ist sinnvoll, wenn Belastung über längere Zeit anhält, stärker wird, Schlaf, Beziehungen oder Alltag beeinträchtigt oder mit starker Angst, Hoffnungslosigkeit, Rückzug oder Selbstgefährdung verbunden ist. Erste Anlaufstellen können Hausarztpraxis, Psychotherapie, Betriebsarzt, Beratungsstelle oder bei akuter Gefahr der Notruf 112 sein.
Wie kann ich nach der Arbeit besser abschalten?
Hilfreich sind klare Übergänge: Arbeitsplatz schließen, letzte Aufgabe notieren, Handy-Benachrichtigungen begrenzen, kurz bewegen, duschen, Musik hören oder einen kurzen Stimmungseintrag machen. Entscheidend ist ein wiederholbares Ritual, das Ihrem Körper signalisiert: Die Arbeitsphase ist vorbei.
Was ist der Unterschied zwischen normalem Arbeitsstress und Überlastung?
Normaler Arbeitsstress ist meist zeitlich begrenzt und klingt nach Erholung wieder ab. Überlastung wird wahrscheinlicher, wenn Druck dauerhaft bleibt, Erholung nicht mehr ausreicht, Schlaf und Stimmung leiden, Sie sich zunehmend zurückziehen oder das Gefühl haben, nicht mehr handlungsfähig zu sein. Dann sollten Sie die Belastung ernst nehmen und Unterstützung einbeziehen.