Gefühle aufzuschreiben bedeutet, innere Zustände in Worte zu bringen, damit sie greifbarer, sortierbarer und besser verständlich werden. Schon wenige Minuten reichen oft, um eine Stimmung genauer zu benennen, Auslöser zu erkennen und den nächsten kleinen Schritt bewusster zu wählen. Wichtig ist: Es geht nicht um perfekte Sätze, sondern um ehrliche Selbstbeobachtung ohne Druck.
Diese Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie Gefühle aufschreiben können – praktisch, alltagstauglich und ohne sich selbst zu bewerten. Sie eignet sich für Menschen, die ihre Gefühle besser verstehen möchten, ein Stimmungstagebuch beginnen wollen oder im Stimmungskalender bewusster beobachten möchten, was sie innerlich bewegt.
Was bedeutet es, Gefühle aufzuschreiben?
Gefühle aufzuschreiben heißt, das eigene innere Erleben schriftlich festzuhalten: Was spüre ich gerade? Welche Situation hat dieses Gefühl ausgelöst? Welche Gedanken begleiten es? Was braucht dieses Gefühl vielleicht von mir?
Dabei kann es um einzelne Emotionen wie Freude, Wut, Angst, Scham, Dankbarkeit oder Traurigkeit gehen. Es kann aber auch um eine allgemeine Stimmung gehen, zum Beispiel innere Unruhe, Gereiztheit, Leere, Überforderung oder Zufriedenheit. Gefühle sind oft kurzfristiger und konkreter, während Stimmungen länger anhalten können und nicht immer sofort einen klaren Auslöser haben.
| Begriff | Was damit gemeint ist | Beispiel |
|---|---|---|
| Gefühl | Eine konkrete emotionale Reaktion auf eine Situation, Erinnerung, Erwartung oder körperliche Wahrnehmung. | „Ich bin enttäuscht, weil die Verabredung abgesagt wurde.“ |
| Stimmung | Ein länger anhaltender emotionaler Grundton, der nicht immer eindeutig zugeordnet werden kann. | „Ich bin heute schon den ganzen Tag gereizt.“ |
| Gedanke | Eine innere Bewertung, Interpretation oder Annahme, die ein Gefühl verstärken oder abschwächen kann. | „Vielleicht bin ich der anderen Person nicht wichtig.“ |
| Körperzeichen | Körperliche Signale, die mit Gefühlen verbunden sein können. | Druck im Brustkorb, Kloß im Hals, angespannte Schultern. |
| Bedürfnis | Das, was hinter einem Gefühl stehen kann. | Ruhe, Nähe, Sicherheit, Anerkennung, Klarheit, Grenze. |
Warum kann es helfen, Gefühle aufzuschreiben?
Gefühle wirken oft unübersichtlich, solange sie nur im Kopf kreisen. Durch das Schreiben werden sie sichtbarer. Das kann helfen, zwischen Situation, Gefühl, Gedanke und Bedürfnis zu unterscheiden. Dadurch entsteht nicht automatisch eine Lösung, aber häufig mehr Abstand und Klarheit.
Ein Beispiel: Aus „Alles ist zu viel“ kann beim Schreiben werden: „Ich bin erschöpft, weil heute drei Dinge gleichzeitig passiert sind. Ich habe Angst, etwas falsch zu machen. Eigentlich brauche ich gerade eine Pause und eine klare Reihenfolge.“ Diese Formulierung ist konkreter. Und je konkreter ein Gefühl beschrieben wird, desto leichter lässt sich ein nächster Schritt ableiten.
Das Aufschreiben von Gefühlen ist keine Therapie und ersetzt keine professionelle Behandlung. Es kann aber eine hilfreiche Methode der Selbstreflexion sein, besonders wenn Sie Ihre Stimmung über mehrere Tage oder Wochen beobachten möchten.
Gefühle aufschreiben: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Sie brauchen kein besonderes Notizbuch, keine perfekte Routine und keinen langen Text. Ein Blatt Papier, eine Notiz-App oder ein Stimmungskalender reichen aus. Entscheidend ist, dass Sie ehrlich, konkret und freundlich mit sich selbst bleiben.
Schritt 1: Kurz anhalten und das Gefühl bemerken
Bevor Sie schreiben, nehmen Sie sich einen Moment Zeit. Fragen Sie sich: „Was ist gerade in mir los?“ Versuchen Sie nicht sofort, das Gefühl zu verändern. Beobachten Sie zunächst nur.
- Bin ich eher ruhig oder angespannt?
- Fühlt es sich schwer, unruhig, eng, warm, leer oder lebendig an?
- Gibt es ein Gefühl, das besonders deutlich ist?
- Oder ist es eher ein Durcheinander aus mehreren Gefühlen?
Wenn Sie kein klares Wort finden, schreiben Sie genau das auf: „Ich weiß nicht genau, was ich fühle.“ Auch das ist ein gültiger Anfang.
Schritt 2: Das Gefühl benennen
Ein passendes Gefühlswort macht das innere Erleben greifbarer. Viele Menschen starten mit sehr allgemeinen Worten wie „gut“, „schlecht“, „komisch“ oder „gestresst“. Das ist in Ordnung. Danach können Sie genauer werden.
| Allgemeine Beschreibung | Mögliche genauere Gefühle | Hilfreiche Nachfrage |
|---|---|---|
| Ich fühle mich schlecht. | traurig, verletzt, enttäuscht, beschämt, einsam | Was genau tut weh? |
| Ich bin gestresst. | überfordert, gehetzt, angespannt, unter Druck | Was ist gerade zu viel? |
| Ich bin wütend. | verärgert, gekränkt, empört, gereizt, machtlos | Welche Grenze wurde berührt? |
| Ich bin ängstlich. | unsicher, besorgt, nervös, alarmiert, hilflos | Wovor möchte mich die Angst schützen? |
| Ich fühle mich gut. | zufrieden, erleichtert, dankbar, stolz, verbunden | Was hat mir heute gutgetan? |
Schritt 3: Die Situation beschreiben
Schreiben Sie danach knapp auf, wann und wodurch das Gefühl aufgetaucht ist. Bleiben Sie möglichst nah an der Beobachtung.
- Was ist passiert?
- Wer war beteiligt?
- Wann trat das Gefühl auf?
- Was habe ich gesehen, gehört oder gelesen?
- Gab es vorher schon Müdigkeit, Hunger, Zeitdruck oder Anspannung?
Beispiel: „Heute Morgen habe ich eine kurze Nachricht von meiner Kollegin bekommen. Sie klang sachlich. Danach wurde ich nervös und dachte, ich hätte etwas falsch gemacht.“
Schritt 4: Gedanken und Bewertungen erkennen
Gefühle entstehen häufig nicht nur durch eine Situation, sondern auch durch die Bedeutung, die wir ihr geben. Deshalb lohnt es sich, die begleitenden Gedanken aufzuschreiben.
Beispiele für Gedanken:
- „Ich darf keinen Fehler machen.“
- „Andere schaffen das besser als ich.“
- „Ich werde nicht ernst genommen.“
- „Ich komme nie zur Ruhe.“
- „Ich hätte anders reagieren müssen.“
Schreiben Sie diese Gedanken nicht auf, um sie sofort zu bekämpfen. Schreiben Sie sie auf, um sie zu erkennen. Danach können Sie fragen: „Ist das eine Tatsache, eine Befürchtung oder eine Interpretation?“
Schritt 5: Körperzeichen notieren
Gefühle zeigen sich oft im Körper. Das kann beim Verstehen helfen, besonders wenn Ihnen die passenden Worte noch fehlen.
- Enge im Brustkorb
- Druck im Kopf
- angespannter Kiefer
- flacher Atem
- Unruhe in den Beinen
- schwere Schultern
- Wärme, Zittern oder Kribbeln
Ein möglicher Satz lautet: „Ich merke die Anspannung vor allem in den Schultern und im Bauch.“ Körperzeichen sind keine Diagnose. Sie sind Hinweise darauf, wie stark ein Gefühl gerade erlebt wird.
Schritt 6: Das Bedürfnis hinter dem Gefühl suchen
Viele Gefühle enthalten eine Information. Wut kann auf eine Grenze hinweisen. Traurigkeit kann mit Verlust, Enttäuschung oder Sehnsucht verbunden sein. Angst kann ein Bedürfnis nach Sicherheit zeigen. Freude kann sichtbar machen, was Ihnen wichtig ist.
Fragen Sie sich:
- Was brauche ich gerade?
- Was fehlt mir?
- Welche Grenze wurde überschritten?
- Was war mir an dieser Situation wichtig?
- Was würde mir jetzt gut tun, ohne mir oder anderen zu schaden?
Beispiel: „Ich bin wütend, weil ich wieder kurzfristig einspringen sollte. Dahinter steckt vermutlich das Bedürfnis nach Planbarkeit und Respekt für meine Zeit.“
Schritt 7: Einen kleinen nächsten Schritt formulieren
Am Ende sollte nicht zwingend eine große Lösung stehen. Oft reicht ein kleiner, realistischer Schritt.
- „Ich trinke ein Glas Wasser und mache zehn Minuten Pause.“
- „Ich schreibe mir morgen drei Prioritäten auf.“
- „Ich antworte nicht sofort, sondern lese die Nachricht später noch einmal.“
- „Ich spreche das Thema ruhig an, wenn ich klarer bin.“
- „Ich notiere dieses Muster im Stimmungskalender und beobachte es weiter.“
Eine einfache Vorlage zum Gefühle-Aufschreiben
Wenn Sie nicht wissen, wie Sie beginnen sollen, nutzen Sie diese kurze Vorlage. Sie eignet sich für Tagebuch, Notiz-App oder Stimmungstagebuch.
Heute fühle ich mich …
Das Gefühl ist etwa … von 10 stark.
Ausgelöst wurde es vermutlich durch …
In meinem Körper merke ich …
Der wichtigste Gedanke dazu ist …
Hinter dem Gefühl könnte das Bedürfnis nach … stehen.
Ein kleiner nächster Schritt ist …
Beispiel:
Heute fühle ich mich angespannt und unsicher. Das Gefühl ist etwa 6 von 10 stark. Ausgelöst wurde es vermutlich durch die Besprechung morgen. In meinem Körper merke ich Druck im Bauch und angespannte Schultern. Der wichtigste Gedanke dazu ist: „Ich könnte mich blamieren.“ Hinter dem Gefühl könnte das Bedürfnis nach Vorbereitung und Sicherheit stehen. Ein kleiner nächster Schritt ist, mir drei Stichpunkte für morgen aufzuschreiben.
Konkrete Alltagssituationen: So könnten Einträge aussehen
Beispiel 1: Nach einem Streit
„Ich bin wütend und verletzt. Der Streit mit meinem Partner hat mich stärker getroffen, als ich zuerst zugeben wollte. Ich habe das Gefühl, nicht gehört worden zu sein. Mein Gedanke ist: ‚Meine Bedürfnisse zählen nicht.‘ Vielleicht stimmt das so pauschal nicht, aber es fühlt sich gerade so an. Ich brauche ein ruhiges Gespräch, nicht noch mehr Vorwürfe. Heute schreibe ich nur auf, was mir wichtig ist. Morgen entscheide ich, wie ich es anspreche.“
Beispiel 2: Bei innerer Unruhe am Abend
„Ich bin unruhig, obwohl eigentlich nichts Akutes passiert ist. Mein Körper fühlt sich wach und angespannt an. Heute gab es viele kleine Unterbrechungen, mehrere Nachrichten und kaum Pause. Vielleicht ist mein Nervensystem noch im Arbeitsmodus. Ich brauche Übergang und Ruhe. Ich lege das Handy weg, schreibe drei offene Aufgaben für morgen auf und mache danach etwas Ruhiges.“
Beispiel 3: Bei Traurigkeit ohne klaren Grund
„Ich bin traurig, aber ich weiß nicht genau warum. Es fühlt sich schwer und leer an. Vielleicht hängt es mit dem Gespräch von gestern zusammen, vielleicht auch mit Müdigkeit. Ich muss das heute nicht vollständig erklären. Ich beobachte, ob die Traurigkeit morgen noch da ist. Für heute brauche ich Freundlichkeit, eine warme Mahlzeit und weniger Druck.“
Beispiel 4: Bei Freude und Dankbarkeit
„Ich fühle mich leicht und zufrieden. Das Gespräch mit meiner Freundin hat mir gutgetan. Ich habe gemerkt, wie wichtig mir Verbindung ist. Ich möchte mir merken, dass kurze ehrliche Gespräche meine Stimmung deutlich verbessern können. Vielleicht plane ich solche Kontakte bewusster ein.“
Fragen zur Selbstreflexion
Reflexionsfragen helfen, wenn Sie nicht nur schreiben möchten, was passiert ist, sondern auch verstehen wollen, was es mit Ihnen macht. Wählen Sie jeweils ein bis drei Fragen aus. Zu viele Fragen können überfordern.
- Welches Gefühl ist gerade am stärksten?
- Welches Gefühl versuche ich vielleicht zu vermeiden?
- Was hat dieses Gefühl ausgelöst oder verstärkt?
- Welche Gedanken wiederholen sich?
- Was würde ich einer guten Freundin oder einem guten Freund in dieser Situation sagen?
- Was brauche ich gerade wirklich: Ruhe, Kontakt, Klarheit, Bewegung, Schutz, Schlaf, Unterstützung?
- Welche Grenze wurde berührt?
- Was liegt in meiner Kontrolle und was nicht?
- Was kann heute klein genug sein, damit ich es wirklich tun kann?
- Was möchte ich im Stimmungskalender weiter beobachten?
Gefühle aufschreiben, ohne ins Grübeln zu rutschen
Schreiben kann klären. Es kann aber auch in Grübeln übergehen, wenn Sie immer wieder dieselben Gedanken wiederholen, ohne neue Perspektive oder Entlastung zu finden. Deshalb ist eine klare Struktur hilfreich.
| Hilfreiches Aufschreiben | Grübelndes Schreiben | Besserer nächster Schritt |
|---|---|---|
| Sie benennen Gefühl, Auslöser und Bedürfnis. | Sie kreisen immer wieder um Schuld, Fehler oder Katastrophen. | Setzen Sie ein Zeitlimit von 10 bis 15 Minuten. |
| Sie unterscheiden zwischen Tatsache und Interpretation. | Sie behandeln jede Befürchtung wie eine sichere Wahrheit. | Fragen Sie: „Was weiß ich sicher, was vermute ich?“ |
| Sie formulieren einen kleinen nächsten Schritt. | Sie suchen die perfekte Lösung und werden angespannter. | Schließen Sie mit einer machbaren Handlung ab. |
| Sie schreiben freundlich und beobachtend. | Sie beschimpfen oder verurteilen sich. | Formulieren Sie so, wie Sie mit einem nahestehenden Menschen sprechen würden. |
Ein guter Abschluss-Satz kann sein: „Für heute habe ich genug verstanden.“ Dieser Satz hilft, das Schreiben zu beenden, auch wenn noch nicht alles gelöst ist.
Häufige Fehler beim Gefühle-Aufschreiben
Fehler 1: Zu perfekt schreiben wollen
Ein Gefühlstagebuch ist kein literarischer Text. Rechtschreibung, Stil und schöne Formulierungen sind nebensächlich. Entscheidend ist, dass Sie sich selbst ehrlich zuhören.
Fehler 2: Nur Ereignisse aufzählen
„Heute Arbeit, Einkauf, Telefonat“ beschreibt den Tag, aber noch nicht das innere Erleben. Ergänzen Sie deshalb: „Wie habe ich mich dabei gefühlt?“ und „Was hat es in mir ausgelöst?“
Fehler 3: Gefühle sofort bewerten
Sätze wie „Ich sollte nicht so empfindlich sein“ oder „Das ist doch lächerlich“ blockieren Selbstreflexion. Versuchen Sie stattdessen: „Ich bemerke, dass mich diese Situation stärker berührt hat.“
Fehler 4: Zu lange schreiben, wenn es belastet
Bei intensiven Themen kann langes Schreiben aufwühlen. Dann ist ein kurzer, begrenzter Eintrag sinnvoller: Gefühl benennen, Stärke einschätzen, Bedürfnis notieren, stabilisierenden Schritt wählen.
Fehler 5: Nur schwierige Gefühle dokumentieren
Notieren Sie auch angenehme Gefühle. Freude, Stolz, Erleichterung, Dankbarkeit oder Ruhe zeigen, was Ihnen guttut. Das ist wichtig, um nicht nur Belastungsmuster, sondern auch Kraftquellen zu erkennen.
Wie oft sollte man Gefühle aufschreiben?
Für den Einstieg reichen drei bis fünf Minuten pro Tag oder mehrere kurze Einträge pro Woche. Viele Menschen schreiben abends, weil sie dann den Tag reflektieren können. Andere schreiben direkt nach einer belastenden Situation, um das innere Durcheinander zu sortieren.
Eine einfache Routine kann so aussehen:
- Einmal täglich eine Stimmung auswählen.
- Ein bis zwei Gefühle benennen.
- Einen Auslöser oder eine Situation notieren.
- Die Stärke des Gefühls von 1 bis 10 einschätzen.
- Einen kleinen nächsten Schritt ergänzen.
Wenn tägliches Schreiben Druck erzeugt, schreiben Sie seltener. Regelmäßigkeit ist hilfreich, aber sie sollte nicht zur zusätzlichen Belastung werden.
Was Sie im Stimmungskalender beobachten können
Der Stimmungskalender kann helfen, Gefühle nicht nur einmalig aufzuschreiben, sondern Muster über die Zeit sichtbar zu machen. Dadurch wird aus einem einzelnen Eintrag eine Art persönlicher Überblick: Was wiederholt sich? Was verbessert die Stimmung? Welche Situationen kosten besonders viel Kraft?
Achten Sie besonders auf diese Punkte:
- Wiederkehrende Stimmungen: Gibt es Tage, an denen Sie häufig gereizt, müde, ängstlich oder zufrieden sind?
- Auslöser: Welche Situationen gehen bestimmten Gefühlen voraus?
- Körperzeichen: Zeigen sich manche Stimmungen zuerst körperlich?
- Tageszeiten: Sind bestimmte Gefühle morgens, nachmittags oder abends stärker?
- Soziale Kontakte: Welche Begegnungen geben Energie, welche kosten Energie?
- Erholung: Wie wirken Schlaf, Pausen, Bewegung oder digitale Auszeiten auf Ihre Stimmung?
- Kraftquellen: Welche kleinen Dinge führen wiederholt zu Ruhe, Freude oder Zuversicht?
Ein hilfreicher Eintrag im Stimmungskalender könnte so aussehen: „Stimmung: angespannt. Gefühl: Sorge und Druck. Auslöser: viele offene Aufgaben. Körper: flacher Atem. Bedürfnis: Überblick. Nächster Schritt: Aufgabenliste auf drei Prioritäten kürzen.“
Gefühle aufschreiben als Abendroutine
Viele Menschen profitieren von einer kurzen Abendroutine, weil der Tag dadurch einen bewussten Abschluss bekommt. Das Ziel ist nicht, alles zu analysieren. Ziel ist, den Tag innerlich abzulegen.
Eine einfache Abendroutine:
- Eine Stimmung wählen: Wie war mein Grundgefühl heute?
- Drei Worte notieren: Welche Gefühle waren heute wichtig?
- Einen Auslöser erkennen: Was hat meine Stimmung beeinflusst?
- Eine Ressource festhalten: Was hat mir gutgetan?
- Einen Satz für morgen schreiben: Was möchte ich morgen beachten?
Beispiel: „Heute war ich angespannt, aber auch stolz. Die vielen Nachrichten haben mich überfordert. Gutgetan hat mir der Spaziergang. Morgen möchte ich zuerst eine Aufgabe abschließen, bevor ich neue Nachrichten öffne.“
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Gefühle aufzuschreiben kann Selbstreflexion unterstützen. Es sollte jedoch nicht als Ersatz für ärztliche, psychotherapeutische oder psychosoziale Hilfe verstanden werden. Professionelle Unterstützung ist sinnvoll, wenn Gefühle über längere Zeit sehr belastend bleiben, den Alltag deutlich einschränken oder Sie das Gefühl haben, allein nicht weiterzukommen.
Achten Sie besonders auf Warnzeichen wie anhaltende Hoffnungslosigkeit, starke Angst, Panik, depressive Stimmung, Selbstverletzungsdruck, Gedanken an Suizid, deutlichen Rückzug, Schlafprobleme über längere Zeit, starke körperliche Beschwerden oder das Gefühl, sich selbst oder andere nicht mehr sicher schützen zu können.
In solchen Situationen kann ein erster Schritt sein, mit einer Hausarztpraxis, einer psychotherapeutischen Praxis, einer Beratungsstelle oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst zu sprechen. Wenn akute Gefahr für Sie selbst oder andere besteht, rufen Sie den Notruf. In Deutschland ist die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 erreichbar und bietet vertrauliche Unterstützung.
Kurze Checkliste: So schreiben Sie Gefühle hilfreich auf
- Ich schreibe nicht perfekt, sondern ehrlich.
- Ich benenne mindestens ein Gefühl genauer als nur „gut“ oder „schlecht“.
- Ich notiere eine konkrete Situation oder einen möglichen Auslöser.
- Ich unterscheide zwischen Tatsache, Gedanke und Interpretation.
- Ich achte auf Körperzeichen.
- Ich frage nach dem Bedürfnis hinter dem Gefühl.
- Ich beende den Eintrag mit einem kleinen, realistischen nächsten Schritt.
- Ich suche Unterstützung, wenn mich das Schreiben stark belastet oder ich mich unsicher fühle.
FAQ: Häufige Fragen zum Thema Gefühle aufschreiben
Wie kann ich anfangen, Gefühle aufzuschreiben?
Beginnen Sie mit einem einfachen Satz: „Ich fühle mich gerade …“ Ergänzen Sie danach, wodurch das Gefühl möglicherweise ausgelöst wurde, wie stark es ist und was Sie gerade brauchen. Drei bis fünf Minuten reichen für den Einstieg aus.
Was schreibe ich, wenn ich meine Gefühle nicht benennen kann?
Schreiben Sie zunächst: „Ich weiß nicht genau, was ich fühle.“ Danach können Sie Körperzeichen, Gedanken oder Stimmungen beschreiben. Oft entsteht das passende Gefühlswort erst beim Schreiben.
Ist Gefühle aufschreiben dasselbe wie Tagebuch schreiben?
Nicht ganz. Ein Tagebuch kann den ganzen Tag beschreiben. Beim Gefühle-Aufschreiben liegt der Fokus stärker auf innerem Erleben: Gefühl, Auslöser, Gedanke, Körperzeichen, Bedürfnis und nächster Schritt.
Hilft es bei Angst oder Traurigkeit, Gefühle aufzuschreiben?
Es kann helfen, Angst oder Traurigkeit besser einzuordnen und Muster zu erkennen. Es ist aber kein Ersatz für professionelle Hilfe, wenn die Belastung stark ist, lange anhält oder Ihren Alltag deutlich einschränkt.
Sollte ich meine Einträge später noch einmal lesen?
Das kann hilfreich sein, wenn Sie Muster erkennen möchten. Lesen Sie alte Einträge aber nur, wenn es Ihnen damit gut geht. Wenn Sie merken, dass das Wiederlesen Sie stark belastet, genügt es, aktuelle Stimmungen weiter zu beobachten.
Wie oft sollte ich ein Stimmungstagebuch führen?
Für viele Menschen ist ein kurzer Eintrag pro Tag hilfreich. Andere schreiben nur bei starken Gefühlen. Wichtiger als Häufigkeit ist, dass die Routine realistisch bleibt und nicht zusätzlichen Druck erzeugt.
Was ist besser: handschriftlich oder digital?
Beides ist möglich. Handschriftlich kann sich ruhiger und persönlicher anfühlen, digital ist oft schneller und leichter in den Alltag integrierbar. Wählen Sie die Form, die Sie tatsächlich nutzen.
Was kann ich im Stimmungskalender zusätzlich notieren?
Neben dem Gefühl können Sie Auslöser, Stärke, Körperzeichen, Gedanken, Bedürfnisse und kleine nächste Schritte notieren. So wird sichtbar, welche Situationen Ihre Stimmung beeinflussen und welche Gewohnheiten Ihnen guttun.
Gefühle aufschreiben macht innere Zustände greifbarer
Gefühle aufzuschreiben ist eine einfache Methode, um sich selbst besser zu verstehen. Sie hilft besonders dann, wenn innere Zustände diffus, widersprüchlich oder schwer einzuordnen sind. Durch wenige klare Fragen können Sie aus einem unbestimmten Gefühl eine konkretere Beobachtung machen.
Nutzen Sie das Schreiben nicht als Pflicht, sondern als freundliche Form der Selbstreflexion. Ein kurzer ehrlicher Eintrag kann wertvoller sein als eine lange Analyse. Wenn Sie Ihre Gefühle regelmäßig im Stimmungskalender festhalten, erkennen Sie mit der Zeit, welche Auslöser, Bedürfnisse und Kraftquellen Ihr emotionales Erleben prägen.
Probieren Sie es heute mit einem kurzen Stimmungseintrag aus: Wählen Sie ein Gefühl, notieren Sie den Auslöser und ergänzen Sie einen kleinen nächsten Schritt. So wird aus einem flüchtigen Moment ein verständlicher Hinweis auf das, was Sie gerade brauchen.