Körperliche Gefühle sind Empfindungen im Körper, die mit einer Stimmung, Emotion oder inneren Belastung zusammenhängen können. Dazu gehören zum Beispiel Enge im Brustkorb, ein flaues Gefühl im Bauch, Herzklopfen, Wärme, Kälte, Druck, Zittern, Muskelspannung oder ein Kloß im Hals. Solche Körperzeichen sind nicht automatisch gefährlich, können aber wichtige Hinweise darauf geben, was Sie gerade erleben, brauchen oder vermeiden möchten.
Diese Seite hilft Ihnen, körperliche Gefühle besser einzuordnen: Was kann dahinterstecken? Wie unterscheiden sich normale Körperreaktionen von Warnzeichen? Und wie können Sie Ihre Wahrnehmungen im Stimmungskalender nutzen, ohne sich selbst zu verunsichern?
Was sind körperliche Gefühle?
Körperliche Gefühle sind bewusst wahrgenommene Empfindungen im Körper, die mit dem emotionalen Erleben verbunden sein können. Ein Gefühl findet also nicht nur „im Kopf“ statt. Viele Menschen bemerken zuerst ein Körperzeichen und finden erst danach Worte dafür: „Ich bin angespannt“, „Ich habe Angst“, „Ich bin traurig“, „Ich bin wütend“, „Ich bin erleichtert“ oder „Ich fühle mich ruhig“.
Typische Beispiele sind:
- ein flaues Gefühl im Magen vor einem schwierigen Gespräch,
- Herzklopfen vor einem Auftritt oder einer Prüfung,
- warme Wangen bei Scham oder Verlegenheit,
- Schwere in Armen und Beinen bei Erschöpfung oder Traurigkeit,
- Druck im Brustkorb bei Anspannung, Sorge oder Überforderung,
- ein weiter, leichter Körper bei Freude, Erleichterung oder Sicherheit.
Wichtig ist: Ein körperliches Gefühl ist zunächst eine Wahrnehmung, keine Diagnose. Es kann mit einer Emotion zusammenhängen, aber auch mit Schlafmangel, Hunger, Bewegung, Krankheit, Medikamenten, Koffein, Stress, hormonellen Veränderungen oder anderen körperlichen Faktoren. Deshalb ist eine vorsichtige Einordnung sinnvoll.
Körperliche Gefühle: Warum Emotionen im Körper spürbar werden
Gefühle haben eine Orientierungsfunktion. Sie können Aufmerksamkeit lenken, Handlungen vorbereiten und soziale Signale liefern. Wenn Sie sich bedroht, verletzt, sicher, verbunden, neugierig oder erschöpft fühlen, reagiert häufig auch der Körper. Atmung, Muskeltonus, Herzschlag, Verdauung, Wärmeempfinden, Haltung und Bewegungsdrang können sich verändern.
Das bedeutet nicht, dass jedes Körperzeichen eindeutig einem bestimmten Gefühl zugeordnet werden kann. Ein schneller Herzschlag kann zu Angst passen, aber auch zu Freude, körperlicher Belastung, Aufregung, Koffein oder Hitze. Ein Kloß im Hals kann bei Traurigkeit auftreten, aber auch durch körperliche Ursachen begünstigt werden. Körperliche Gefühle sind daher Hinweise, keine Beweise.
Gefühl, Emotion, Stimmung und Körperzeichen: die einfache Abgrenzung
| Begriff | Was gemeint ist | Beispiel | Wie Sie es beobachten können |
|---|---|---|---|
| Gefühl | bewusstes inneres Erleben | „Ich bin traurig.“ | Gefühlswort notieren |
| Emotion | Reaktion mit Erleben, Körper, Ausdruck und Handlungsimpuls | Angst mit Herzklopfen und Rückzugsimpuls | Situation, Körperzeichen und Verhalten erfassen |
| Stimmung | länger anhaltende Grundfärbung des Erlebens | gereizt, niedergeschlagen, ruhig, zuversichtlich | mehrmals täglich oder täglich einschätzen |
| Körperzeichen | wahrnehmbare körperliche Empfindung | Druck, Wärme, Zittern, Enge, Müdigkeit | Ort, Intensität und Dauer beschreiben |
Typische körperliche Gefühle und mögliche emotionale Bedeutungen
Die folgende Übersicht ist keine medizinische oder psychologische Diagnose. Sie soll helfen, Alltagsmuster zu erkennen. Entscheidend ist immer der Kontext: Wann tritt das Körpergefühl auf? Wie lange dauert es? Was war davor? Was hilft? Was verschlimmert es?
| Körperliche Wahrnehmung | Mögliche emotionale Verbindung | Typische Alltagssituation | Reflexionsfrage |
|---|---|---|---|
| Enge im Brustkorb | Anspannung, Sorge, Angst, Druck | Vor einem Konflikt, Termin oder einer Entscheidung | Was fühlt sich gerade eng, unsicher oder zu viel an? |
| Flaues Gefühl im Bauch | Unsicherheit, Nervosität, Vorfreude, Bauchgefühl | Vor einer Nachricht, Prüfung oder Begegnung | Geht es eher um Angst, Aufregung oder Erwartung? |
| Kloß im Hals | Traurigkeit, unterdrückte Worte, Rührung, Scham | Wenn etwas unausgesprochen bleibt | Was würde ich sagen, wenn es sicher wäre? |
| Angespannte Schultern oder Kiefer | Stress, Ärger, Kontrolle, innere Alarmbereitschaft | Bei Zeitdruck, Überforderung oder Konzentration | Wo halte ich gerade zu viel fest? |
| Wärme im Gesicht | Scham, Verlegenheit, Ärger, Freude | Nach Kritik, Lob oder Aufmerksamkeit | Fühle ich mich gesehen, bewertet oder berührt? |
| Schwere im Körper | Erschöpfung, Traurigkeit, Überlastung | Nach Konflikten, Schlafmangel oder langen Belastungsphasen | Brauche ich Ruhe, Unterstützung oder Entlastung? |
| Kribbeln oder Zittern | Aufregung, Angst, Aktivierung, Stressreaktion | Nach Schreck, Streit oder hoher Anspannung | Ist mein Körper gerade im Alarmmodus? |
| Leichtigkeit oder Weite | Freude, Erleichterung, Sicherheit, Verbundenheit | Nach einem gelösten Problem oder schönen Moment | Was tut mir gerade gut? |
Für wen ist diese Seite besonders relevant?
Diese Seite ist hilfreich, wenn Sie Ihre Gefühle besser verstehen möchten, aber oft zuerst körperliche Empfindungen bemerken. Manche Menschen können sehr genau sagen, dass sie traurig, wütend oder ängstlich sind. Andere spüren eher „Druck“, „Unruhe“, „Leere“, „Nervosität“, „Schwere“ oder „Anspannung“ und suchen erst danach nach dem passenden Wort.
Besonders relevant ist das Thema für Menschen, die:
- ihre Gefühle schwer benennen können,
- bei Stress schnell körperlich reagieren,
- ihre Stimmung regelmäßiger beobachten möchten,
- Zusammenhänge zwischen Alltag, Körper und Emotionen erkennen wollen,
- ein Stimmungstagebuch oder einen Stimmungskalender führen,
- lernen möchten, vorsichtiger und genauer auf innere Signale zu achten.
Gleichzeitig gilt: Wer starke, neue, anhaltende oder beängstigende körperliche Symptome hat, sollte diese nicht nur emotional deuten, sondern medizinisch abklären lassen.
Warum körperliche Gefühle manchmal schwer zu deuten sind
Körperliche Gefühle sind mehrdeutig. Genau darin liegt die Herausforderung. Ihr Körper sendet keine fertigen Sätze wie „Das ist Trauer“ oder „Das ist Überforderung“. Sie nehmen eine Empfindung wahr und ordnen sie mit Hilfe von Situation, Erinnerung, Erfahrung, Gedanken und aktueller Belastung ein.
1. Ein Körperzeichen kann mehrere Ursachen haben
Herzklopfen kann durch Angst entstehen, aber auch durch Sport, Kaffee, Schlafmangel, Hitze oder Freude. Müdigkeit kann auf Traurigkeit hinweisen, aber auch auf zu wenig Schlaf, Infekte, Überarbeitung oder Ernährung. Deshalb sollte Selbstreflexion nie bedeuten, körperliche Ursachen auszublenden.
2. Gefühle können sich mischen
Vor einem neuen Job können Sie sich gleichzeitig freuen, unsicher fühlen und angespannt sein. Der Körper zeigt dann vielleicht Aktivierung: schneller Puls, unruhiger Bauch, flache Atmung. Das kann sich unangenehm anfühlen, obwohl ein Teil des Erlebens positiv ist.
3. Manche Gefühle sind sozial unerwünscht
Ärger, Neid, Scham, Eifersucht oder Angst werden häufig bewertet. Dann kann es passieren, dass ein Gefühl nicht bewusst zugelassen wird, während der Körper trotzdem reagiert. Man spürt Verspannung, Druck oder Unruhe, ohne sofort zu wissen, welches Gefühl dahintersteht.
4. Anspannung kann zur Gewohnheit werden
Wenn Stress über längere Zeit anhält, kann ein hoher Spannungszustand normal wirken. Erst in ruhigen Momenten merken manche Menschen, wie angespannt Kiefer, Schultern, Bauch oder Brustkorb waren. Ein Stimmungskalender kann helfen, solche Muster behutsam sichtbar zu machen.
Alltagssituationen: Wie körperliche Gefühle entstehen können
Beispiel 1: Das schwierige Gespräch
Sie wissen, dass Sie ein Thema ansprechen müssen. Kurz vorher spüren Sie Druck im Bauch, trockenen Mund und angespannte Schultern. Mögliche Einordnung: Der Körper bereitet sich auf eine herausfordernde Situation vor. Dahinter können Angst vor Ablehnung, Ärger, Unsicherheit oder der Wunsch nach Klärung stehen.
Hilfreicher nächster Schritt: Benennen Sie nicht sofort eine endgültige Ursache. Schreiben Sie stattdessen: „Vor dem Gespräch: Bauchdruck 7/10, Schultern angespannt, Gedanke: Ich will nichts falsch machen.“ Das ist genauer als „Ich bin einfach schwach“ oder „Das ist bestimmt schlimm“.
Beispiel 2: Die plötzliche Gereiztheit
Sie reagieren scharf auf eine kleine Bemerkung. Danach merken Sie, dass Ihr Kiefer fest ist und Ihr Körper unter Strom steht. Mögliche Einordnung: Die Gereiztheit kann ein Hinweis auf Überlastung, unerfüllte Bedürfnisse, fehlende Pausen oder aufgestauten Ärger sein.
Hilfreicher nächster Schritt: Fragen Sie sich: „Bin ich wirklich wegen dieser einen Bemerkung wütend – oder ist mein Grundstress schon länger hoch?“
Beispiel 3: Die schwere Stimmung am Abend
Am Abend fühlen sich Beine und Arme schwer an. Sie möchten sich zurückziehen und haben wenig Energie. Mögliche Einordnung: Das kann Erschöpfung, Traurigkeit, Reizüberflutung oder ein körperliches Ruhebedürfnis sein.
Hilfreicher nächster Schritt: Notieren Sie im Stimmungstagebuch nicht nur die Stimmung, sondern auch Schlaf, Essen, Bewegung, soziale Kontakte und Belastung. So erkennen Sie eher, ob es sich um ein emotionales Muster, körperliche Erschöpfung oder beides handelt.
Wie Sie körperliche Gefühle vorsichtig einordnen
Eine hilfreiche Einordnung braucht keine perfekte Antwort. Oft reicht es, die Wahrnehmung genauer zu beschreiben und vorschnelle Bewertungen zu vermeiden. Statt „Mit mir stimmt etwas nicht“ könnten Sie notieren: „Ich spüre Druck im Brustkorb, seit ich die Nachricht gelesen habe. Ich bin unsicher und brauche einen Moment.“
Die 5-Schritte-Methode für körperliche Gefühle
- Wahrnehmen: Was spüre ich im Körper?
- Lokalisieren: Wo genau spüre ich es?
- Beschreiben: Ist es eng, warm, kalt, drückend, kribbelnd, schwer, leicht, pulsierend?
- Einordnen: Welche Situation, welcher Gedanke oder welches Bedürfnis könnte damit zusammenhängen?
- Handeln: Was wäre jetzt ein kleiner, sicherer nächster Schritt?
Diese Methode eignet sich besonders gut für ein Stimmungstagebuch, weil sie nicht dramatisiert und nicht diagnostiziert. Sie sammelt Beobachtungen.
Welche körperlichen Gefühle häufig mit Stress zusammenhängen
Stress kann sich körperlich und emotional zeigen. Häufige körperliche Stresszeichen sind innere Unruhe, Muskelspannung, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafprobleme, schneller Herzschlag, flachere Atmung oder Erschöpfung. Solche Reaktionen können kurzfristig normal sein, besonders in belastenden Situationen.
Problematisch wird es eher, wenn die Beschwerden lange anhalten, stärker werden, den Alltag deutlich einschränken oder immer wieder ohne erkennbare Entlastung auftreten. Dann ist es sinnvoll, genauer hinzuschauen und gegebenenfalls professionelle Unterstützung einzubeziehen.
Stresszeichen nicht vorschnell psychologisieren
Auch wenn Stress körperlich spürbar werden kann, sollten körperliche Beschwerden nicht automatisch als „nur psychisch“ abgetan werden. Körper und Psyche beeinflussen sich gegenseitig. Eine seriöse Selbstreflexion nimmt beides ernst: den emotionalen Kontext und die Möglichkeit körperlicher Ursachen.
Was hilft im Alltag, wenn Gefühle körperlich stark spürbar sind?
Wenn körperliche Gefühle intensiv werden, hilft oft nicht die Frage „Wie bekomme ich das sofort weg?“, sondern: „Wie kann ich mich sicher genug regulieren, um klarer wahrzunehmen?“ Ziel ist nicht, Gefühle zu unterdrücken. Ziel ist, handlungsfähiger zu werden.
1. Kurz innehalten und benennen
Sagen Sie innerlich oder schriftlich: „Ich bemerke gerade Enge im Brustkorb“ oder „Ich spüre Unruhe im Bauch“. Diese sachliche Formulierung schafft Abstand. Sie macht aus einem diffusen Alarm eine beobachtbare Wahrnehmung.
2. Atmung nicht erzwingen
Eine ruhige Atmung kann helfen. Sie sollte aber nicht zum Kontrollzwang werden. Versuchen Sie eher, die Ausatmung leicht zu verlängern oder einige Atemzüge bewusst zu bemerken. Wenn Atemübungen Sie verunsichern, wählen Sie eine andere Methode, zum Beispiel Bewegung oder Orientierung im Raum.
3. Körperlich entladen
Bei Ärger, innerer Unruhe oder Stress kann sanfte Bewegung helfen: gehen, dehnen, Schultern kreisen, Hände ausschütteln, Treppen steigen oder bewusst aufstehen. Der Körper bekommt dadurch eine Möglichkeit, Aktivierung abzubauen.
4. Bedürfnis erkennen
Hinter körperlichen Gefühlen stehen oft Bedürfnisse: Ruhe, Sicherheit, Klärung, Nähe, Abstand, Essen, Schlaf, Bewegung, Grenzen oder Unterstützung. Fragen Sie: „Was könnte mein Körper gerade brauchen?“
5. Nicht alles sofort lösen wollen
Manchmal reicht es, einen Zustand zu beobachten, ohne ihn direkt zu erklären. Besonders bei wiederkehrenden Mustern ist eine ruhige Dokumentation oft hilfreicher als Grübeln.
Fragen zur Selbstreflexion
Diese Fragen können Sie im Stimmungskalender, in einem Stimmungstagebuch oder für eine kurze Abendreflexion nutzen:
- Wo im Körper habe ich heute Gefühle besonders deutlich gespürt?
- Welche Empfindung war am stärksten: Enge, Druck, Wärme, Kälte, Schwere, Leichtigkeit, Kribbeln, Spannung?
- In welcher Situation ist das Körpergefühl aufgetreten?
- Welche Stimmung war gleichzeitig da?
- Welche Gedanken liefen in diesem Moment mit?
- Gab es einen Handlungsimpuls: Rückzug, Angriff, Weinen, Reden, Erstarren, Bewegung, Nähe suchen?
- Was hat das Gefühl verstärkt?
- Was hat es etwas leichter gemacht?
- Wiederholt sich dieses Muster an bestimmten Tagen, Orten oder mit bestimmten Personen?
- Was wäre ein kleiner, freundlicher nächster Schritt?
Was Sie im Stimmungskalender beobachten können
Ein Stimmungskalender kann helfen, körperliche Gefühle über mehrere Tage oder Wochen zu erkennen, ohne jeden einzelnen Moment überzuinterpretieren. Der Nutzen entsteht vor allem durch Muster: Wann treten bestimmte Körperzeichen auf? Welche Stimmungen begleiten sie? Welche Auslöser tauchen wiederholt auf?
Sinnvolle Beobachtungsfelder
| Feld im Stimmungskalender | Beispiel | Warum es hilft |
|---|---|---|
| Stimmung | angespannt, ruhig, traurig, gereizt, hoffnungsvoll | Verbindet Körpergefühl mit emotionaler Grundfärbung |
| Körperzeichen | Bauchdruck, Kopfdruck, Schultern angespannt, Herzklopfen | Macht körperliche Muster sichtbar |
| Intensität | 0 bis 10 | Zeigt, ob etwas stärker oder schwächer wird |
| Situation | Meeting, Streit, Pause, Alleinsein, Nachricht erhalten | Hilft bei der Auslöser-Suche |
| Bedürfnis | Ruhe, Klärung, Bewegung, Unterstützung, Abstand | Lenkt den Blick auf nächste Schritte |
| Hilfreiche Reaktion | Spaziergang, Gespräch, Schlaf, Essen, Grenze gesetzt | Zeigt, was im Alltag tatsächlich unterstützt |
Beispiel für einen Eintrag
Situation: Vor einem Telefonat mit einer schwierigen Person.
Körper: Enge im Brustkorb 6/10, Kiefer angespannt, flache Atmung.
Gefühl/Stimmung: unsicher, angespannt, etwas ärgerlich.
Gedanke: „Ich darf nichts falsch machen.“
Bedürfnis: Klarheit und Abgrenzung.
Nächster Schritt: Vor dem Anruf drei Stichpunkte notieren und danach kurze Pause machen.
So entsteht eine konkrete Beobachtung statt einer pauschalen Bewertung. Genau das macht Selbstreflexion wirksamer.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Körperliche Gefühle können normale Begleiter von Emotionen sein. Trotzdem gibt es Situationen, in denen Selbstbeobachtung allein nicht ausreicht. Bitte holen Sie ärztlichen Rat ein, wenn körperliche Beschwerden neu, stark, anhaltend, wiederkehrend, unklar oder beängstigend sind. Das gilt besonders bei Brustschmerzen, Atemnot, Ohnmacht, starken Schmerzen, neurologischen Auffälligkeiten, anhaltendem Herzrasen oder deutlicher Verschlechterung des Allgemeinzustands.
Psychotherapeutische oder psychosoziale Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn körperliche Anspannung, Angst, Panik, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung, Schlafprobleme oder Grübeln den Alltag deutlich einschränken. Auch wenn Sie sich Ihren Körperempfindungen ausgeliefert fühlen oder aus Angst vor Symptomen immer mehr vermeiden, ist Unterstützung kein Zeichen von Schwäche, sondern ein sinnvoller Schritt.
Bei akuter Selbstgefährdung, Suizidgedanken oder wenn Sie sich nicht sicher fühlen: Bitte suchen Sie sofort Hilfe. In Deutschland erreichen Sie die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111. Bei unmittelbarer Gefahr wählen Sie den örtlichen Notruf.
Häufige Fehler beim Deuten körperlicher Gefühle
Fehler 1: Jedes Körperzeichen sofort als Gefahr deuten
Körperliche Aktivierung kann unangenehm sein, ist aber nicht automatisch gefährlich. Fragen Sie: „Ist das ein bekanntes Muster? Gibt es körperliche Warnzeichen? Was spricht für Stress, was für medizinische Abklärung?“
Fehler 2: Beschwerden nur psychisch erklären
„Das ist bestimmt nur Stress“ kann genauso vorschnell sein wie „Das ist bestimmt etwas Schlimmes“. Eine gute Einordnung bleibt offen und nimmt Körper und Psyche ernst.
Fehler 3: Zu häufiges Kontrollieren
Ständige Kontrolle von Puls, Atmung oder Körperempfindungen kann Unsicherheit verstärken. Ein Stimmungskalender sollte Orientierung geben, nicht zu permanenter Selbstüberwachung führen.
Fehler 4: Gefühle bewerten statt beschreiben
„Ich bin lächerlich“ ist eine Bewertung. „Ich spüre Scham und Wärme im Gesicht“ ist eine Beobachtung. Beobachtungen helfen eher weiter.
Kurze Zusammenfassung
Körperliche Gefühle sind wichtige Signale, aber keine eindeutigen Diagnosen. Sie können zeigen, dass Sie angespannt, traurig, wütend, ängstlich, erleichtert, freudig oder erschöpft sind. Entscheidend ist die vorsichtige Einordnung im Zusammenhang mit Situation, Stimmung, Gedanken, Bedürfnissen und körperlichem Zustand.
Der Stimmungskalender kann Sie dabei unterstützen, Muster zu erkennen: Welche Körperzeichen treten wann auf? Welche Gefühle begleiten sie? Was hilft Ihnen im Alltag? So wird aus diffuser Körperwahrnehmung eine klarere, freundlichere Selbstreflexion.
Sanfter nächster Schritt: Notieren Sie heute nur ein einziges körperliches Gefühl, seine Intensität und die Situation, in der es aufgetreten ist. Mehr muss es nicht sein.
Nutzen Sie den Stimmungskalender als ruhiges Beobachtungswerkzeug: Halten Sie Stimmung, Körperzeichen, Auslöser und hilfreiche Reaktionen fest. So erkennen Sie mit der Zeit, welche Situationen Sie belasten, was Ihnen guttut und welche kleinen Schritte im Alltag realistisch helfen.
FAQ: Körperliche Gefühle
Was sind körperliche Gefühle?
Körperliche Gefühle sind Empfindungen im Körper, die mit Emotionen, Stimmungen oder innerer Belastung zusammenhängen können. Beispiele sind Enge im Brustkorb, Herzklopfen, Bauchdruck, Zittern, Wärme, Schwere oder Muskelspannung.
Warum spüre ich Gefühle im Körper?
Gefühle gehen häufig mit körperlichen Reaktionen einher, weil Körper, Wahrnehmung, Gedanken und Verhalten zusammenwirken. Der Körper kann sich auf Handlung, Schutz, Rückzug, Kontakt, Erholung oder Aufmerksamkeit vorbereiten.
Kann man an körperlichen Gefühlen erkennen, welche Emotion man hat?
Manchmal geben Körperzeichen Hinweise, aber sie sind nicht eindeutig. Herzklopfen kann zum Beispiel zu Angst, Freude, Aufregung oder körperlicher Belastung passen. Deshalb sollten körperliche Gefühle immer im Kontext betrachtet werden.
Sind körperliche Gefühle gefährlich?
Viele körperliche Gefühle sind normale Reaktionen auf Stress, Aufregung oder Emotionen. Neue, starke, anhaltende, wiederkehrende oder beängstigende Symptome sollten jedoch ärztlich abgeklärt werden.
Was kann ich tun, wenn körperliche Gefühle sehr intensiv sind?
Hilfreich können Innehalten, sachliches Benennen, ruhige Orientierung im Raum, sanfte Bewegung, eine kurze Pause oder ein Eintrag im Stimmungstagebuch sein. Wenn die Belastung anhält oder den Alltag einschränkt, ist professionelle Unterstützung sinnvoll.
Wie hilft ein Stimmungskalender bei körperlichen Gefühlen?
Ein Stimmungskalender macht Muster sichtbar. Sie können notieren, wann bestimmte Körperzeichen auftreten, welche Stimmung damit verbunden ist, welche Auslöser es gab und was Ihnen geholfen hat.
Was ist der Unterschied zwischen körperlichen Gefühlen und körperlichen Beschwerden?
Körperliche Gefühle sind subjektive Empfindungen, die emotional mitbedingt sein können. Körperliche Beschwerden können zusätzlich medizinische Ursachen haben. Bei Unsicherheit, starken Symptomen oder anhaltender Belastung sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Wann sollte ich mir Hilfe suchen?
Hilfe ist sinnvoll, wenn körperliche Symptome stark, neu, anhaltend oder beängstigend sind oder wenn Angst, Panik, Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit oder Selbstgefährdung auftreten. Bei akuter Gefahr sollten Sie sofort den Notruf oder eine Krisenhilfe kontaktieren.